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23.05.2012

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Wirtschaft
Stahlarbeiter der ThyssenKrupp AG demonstrieren am Donnerstag (24.02.2011) vor dem Tor 1 in Duisburg. (Foto: dpa)
Protesttag der IG Metall gegen Leiharbeit
Protesttag der IG Metall

Mit Hardrock gegen Leiharbeit

Die IG Metall hat in mehr als 1300 Betrieben gegen Leiharbeit und andere Formen unsicherer Beschäftigung demonstriert. Ein Protestmarsch zu den Klängen von AC/DC eröffnete in Duisburg die bundesweiten Kundgebungen der IG Metall. Stahlarbeiter von ThyssenKrupp versammelten sich am frühen Morgen vor dem Werksgelände und demonstrierten unter dem Motto "Arbeit - sicher und fair" für gleiche Entlohnung von Leiharbeitern und Stammbelegschaften in der Metallbranche. Für die Stahlarbeiter sind diese Forderungen seit Ende September 2010 erfüllt.

"Wir waren die ersten, die einen einheitlichen Tarifvertrag hatten, und wir sind die ersten, die mit dieser Aktion ein Zeichen an die Politik senden", sagte IG-Metall-Bezirksleiter NRW Oliver Burkhard vor mehreren hundert Demonstranten. Die Arbeiter aus Duisburg wollen durch die Aktion ihre Solidarität mit Zulieferern und anderen Branchen der Metallindustrie bekunden.

"Es darf kein Zwei-Klassen-System geben"

Der Gewerkschaftsvorsitzende Berthold Huber griff vor rund 2000 VW-Beschäftigten in Braunschweig Unternehmen und Bundesregierung gleichermaßen an. "Es darf in der Arbeitswelt von heute und morgen kein Zwei-Klassen-System geben", sagte er. Den Betrieben, die zunehmend auch auf Werkverträge und befristete Jobs setzten, hielt er einen "Sabotagekurs" vor, der die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Deutschland aufs Spiel setze. Mit prekärer Beschäftigung könne man vielleicht für kurze Zeit den Kostenwettlauf gewinnen, werde aber im Innovationswettbewerb dauerhaft verlieren. Es sei beschämend, dass in den Hartz-IV-Verhandlungen die Gleichbezahlung nicht festgeschrieben worden sei.

Aktionstag der IG Metall (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: IG-Metall-Chef Huber spricht bei VW beim Aktionstag gegen Leiharbeit. Es lauschen: Mitarbeiter der Leiharbeitsfirma Autovision in grünen Jacken, die im VW-Werk beschäftigt sind, und VW-Mitarbeiter. ]

Protestschwerpunkte waren neben VW die Werke der Autobauer Daimler, Porsche und Opel. Insgesamt beteiligten sich laut IG Metall rund 210.000 Beschäftigte.

Arbeitgeber: Kaum Zeitarbeit in der Metallbranche

Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall warf der IG Metall vor, mit falschen Behauptungen Unruhe in den Betrieben zu stiften. Unbefristete Vollzeitbeschäftigung sei der Normalfall in den Betrieben der Metall- und Elektroindustrie, erklärte Hauptgeschäftsführerin Gabriele Sons. Der Anteil von Zeitarbeit oder Befristungen liege im kleinen einstelligen Bereich.

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt verteidigte den Einsatz flexibler Zeitarbeiter. Dies sei ein äußerst wichtiges und erfolgreiches Instrument, um Langzeitarbeitslosen und Geringqualifizierten den Einstieg in Arbeit zu erleichtern.

"Befehlsempfänger der Leiharbeitslobby"

Der zweite Vorsitzende der IG Metall, Detlef Wetzel, kritisierte in den Zeitungen der "WAZ"-Mediengruppe den von SPD und Koalition erzielten Kompromiss auf einen Mindest-Stundenlohn von 7,60 Euro (im Osten 6,65 Euro) in der Branche. "Das Ergebnis ist beschämend für die beteiligten Parteien und schlimm für die Beschäftigten", sagte Wetzel. Mit den beschlossenen Lohnuntergrenzen werde lediglich abgebildet, was in den meisten Betrieben längst Realität sei. "Zur wichtigsten Verbesserung konnten sich Union, FDP und SPD aber nicht durchringen: der Einführung von gleichen Löhnen für gleiche Arbeit."

Wetzel kritisierte besonders scharf die SPD, die "Politik gegen die Beschäftigten in der Leiharbeit" gemacht habe. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (beide CDU) sowie die FDP seien offensichtlich Befehlsempfänger der Leiharbeitslobby, sagte Wetzel mit Blick auf den bei den Verhandlungen über das Hartz-IV-Reformpaket erzielten Kompromiss.

Stand: 24.02.2011 23:36 Uhr
 

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