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Von Achim Wendler, BR, ARD-Hauptstadtstudio
"Metallisches Geschmetter durchschrie das dumpfe Dröhnen schwerer Schläge, Eisenblöcke brausten in unheimlicher Kürze heran." So übel geht es zu im Stahlgewitter. Was Ernst Jünger vor knapp hundert Jahren beschrieben hat, muss Christian Wulff - nach seinem Empfinden - jetzt täglich erleben.
Heute diese Meldung von der Front: Ein weiterer nicht bezahlter Urlaub - diesmal auf Sylt, im "Hotel Stadt Hamburg". Eigenwerbung: "Anregendes Meeresklima, edle Stoffe und Tapeten, stets frische Blumen." Machte zusammen 258 Euro die Nacht. Laut seinem Anwalt hat Wulff das später erstattet, in bar. Das hieße: Er hat seinem Kumpel 774 Euro in die Hand gedrückt. Wie eigentlich? Im Umschlag? Und zählt man so etwas nach, unter Freunden?
Komische Fragen. Aber solche Nebenfragen werden irgendwie immer interessanter. Was gefährlich ist. Denn sie zeugen von Überdruss. Ein unbezahlter Urlaub mehr oder weniger - auch schon egal. Eine angebliche, nicht beweisbare Barzahlung mehr oder weniger - kommt es darauf noch an? Haben wir keine anderen Sorgen?
Dass wir so fragen, dass wir der Sache überdrüssig und genervt sind - genau darauf setzt Wulff. Er hat sich verschanzt in seinem Schützengraben. Komme, was wolle. Und es kann ja noch einiges kommen: Der Deutsche hat durchschnittlich 30 Tage Urlaub im Jahr, dazu kommen vielleicht ein paar verlängerte Wochenenden. Mit anderen Worten: Es gibt noch viel zu prüfen, seit Wulff vor neun Jahren Ministerpräsident wurde.
Aber die eigentliche Frage bei all dem lautet doch: Wollen wir diesen Mann noch als Bundespräsidenten? Ich finde: Nein. Und gegen Überdruss und Genervtsein hilft es mir, die ganze Sache mal skandalgeschichtlich einzuordnen.
Von wem ist dieser Satz: "Freunde zu haben, ist das eine Schande bei uns?" Ja, Wulff hat was sehr ähnliches gesagt, aber dieser Satz ist von Max Streibl, 1993. Die Amigo-Affäre hat überhaupt sehr viel mehr gemein mit der Wulff-Affäre. Vetternwirtschaft, fremdfinanzierte Urlaube, die Uneinsichtigkeit der politischen Akteure, das wachsende Unbehagen der Öffentlichkeit.
Und das Ende? Fast zwei Monate sind vergangen, seit die ersten Vorwürfe gegen Wulff bekannt wurden. Zwei Monate fühlt der Mann sich jetzt in "metallischem Geschmetter" und "brausenden Eisenblöcken". Mag furchtbar sein für ihn, aber skandalgeschichtlich gesehen, ist es nichts Besonderes. Max Streibl hielt sich noch vier Monate. Dann trat er zurück.
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