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[Bildunterschrift: Will nun alle AKW überprüfen lassen: Bundesumweltminister Gabriel. ]
Nach dem erneuten Störfall im Kernkraftwerk Krümmel hat Bundesumweltminister Sigmar Gabriel eine härtere Gangart bei der Atomaufsicht angekündigt. Die Entscheidung über die Zukunft des Reaktors wolle er künftig selbst treffen, erklärte der Minister. Ein Wiederanfahren des Reaktors werde "nur nach vorheriger Zustimmung der Bundesaufsicht erfolgen". Formal üben die Länder die Atomaufsicht aus. Der Bund hat ihnen gegenüber jedoch ein Weisungsrecht.
Gabriel, der sich in mehreren Zeitungsinterviews äußerte, verwies darauf, dass die Ursachen der Krümmel-Schnellabschaltung am Samstag wie bei früheren Störfallen offenbar erneut im Trafo-Bereich und in der Elektronik des AKW zu suchen sind. Der Minister kündigte an, er werde "über die Atomaufsicht des Bundes prüfen lassen, ob es in anderen deutschen Kraftwerken ähnliche Probleme mit der Elektronik gibt". Dazu wolle er die elektrischen Systeme aller Kernkraftwerke überprüfen lassen.
[Bildunterschrift: Das AKW Krümmel war gerade erst hochgefahren worden. ]
Er forderte die Betreiber auf, "die ältesten und problematischsten Reaktoren abzuschalten und deren Stromkontingente auf die jüngeren Anlagen zu übertragen". Die Union rief er zur Umkehr in der Atompolitik auf. "Ich fordere Bundeskanzlerin Angela Merkel und Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg im Interesse der Sicherheit der Bürger auf, ihren Kurs aufzugeben", sagte Gabriel. Die jüngsten Vorfälle in Krümmel bewiesen, dass eine Laufzeitverlängerung für ältere Kraftwerke unverantwortlich sei.
Unionsfraktionschef Volker Kauder wies die Forderung Gabriels nach einem Kurswechsel in der Atompolitik zurück. "So lange Kernkraftwerke sicher sind, sollen sie auch laufen können", sagte der CDU-Politiker dem "Hamburger Abendblatt". Gabriels Forderung führe nur zu einer weiteren Erhöhung der Strompreise.
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Auch Katherina Reiche, stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, sprach sich gegen Gabriels Forderung aus. Eine Verkürzung der Laufzeiten stehe "auch mit Blick auf den Klimaschutz und eine stabile Energieversorgung nicht zur Diskussion", sagte sie der der "Leipziger Volkszeitung". Reiche warnte davor, die Pannen in einem AKW zu verallgemeinern.
Gleichzeitig verlangte sie vom Betreiber Vattenfall die Weitergabe aller erforderlichen Informationen an die Aufsichtsbehörden und die Öffentlichkeit. "Akzeptanz für eine Technologie kann es nur geben, wenn der Umgang und Betrieb transparent gehandhabt wird", sagte sie der dpa.
Dagegen sprach Grünen-Spitzenkandidatin Renate Künast dem Konzern die Eignung ab, Atomkraftwerke zu betreiben. Dem "Tagesspiegel" sagte sie: "Es zeugt von gefährlichem Dilettantismus, dass Vattenfall das AKW in nur zwei Wochen zweimal vom Netz nehmen muss."
[Bildunterschrift: Vor zwei Jahren war nach einem Kurzschluss ein Brand in einem Transformator ausgebrochen. (Archivbild) ]
Vattenfall selbst kündigte eine umfassende Analyse des erneuten Störfalls an. Der Geschäftsführer von Vattenfall Europe, Ernst Michael Züfle, betonte, für den weiteren Prozess gelte "Sicherheit vor Schnelligkeit". Erst wenn alle technischen und organisatorischen Fragen eindeutig geklärt seien, werde das AKW wieder in Betrieb gehen. "Für die Ursache des neuen Kurzschlusses haben wir bisher keine Erklärung", sagte Züfle. Nach dem Kurzschluss in dem anderen Transformator vor zwei Jahren sei der diesmal betroffene Trafo umfangreich geprüft worden.
Wie damals sei auch jetzt wieder Öl ausgelaufen, aber nur zum Teil in der dafür vorgesehen Auffangwanne festgehalten worden. Ein anderer Teil sei ins Erdreich unter dem Trafo gedrungen, das dann habe abgetragen werden müssen."Es gehört zur Charakteristik von Trafos, dass sie Kurzschlüsse haben können. Unser Kraftwerk ist dafür ausgelegt", so Züfle. Der jetzt betroffene Trafo ist Züfle zufolge 33 Jahre alt und seit 1983 in Krümmel in Betrieb. Ob der Trafo repariert werden könne oder gegen einen neuen ausgetauscht werden müsse, sei erst noch zu prüfen.
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