Zur Haupt-Navigation der ARD.
Zum Inhalt.

29.07.2010

ARD-Logo

Suche in tagesschau.de

Hauptnavigation
Multimedia
  • VideoLivestream.tagesschau 17:00 Uhr
  • Videotagesschau24.
  • VideoLetzte Sendung.tagesschau 16:00 Uhr
Inhalt
Inland
Sachsen: Häftling von Mitgefangenen gefoltert
Neuer Justizskandal in einem Jugendgefängnis

Häftling offenbar über Wochen hinweg gefoltert

Blick aus dem Zellenfenster (Archivbild). (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Erneut kam es in einem Jugendgefängnis zu einem Folterskandal. ]
In der Jugendhaftanstalt Regis-Breitingen bei Leipzig soll ein 18 Jahre alter Häftling von Mitgefangenen gefoltert und beinahe getötet worden sein. Das Justizministerium in Dresden bestätigte einen Bericht des Nachrichtenmagazins "Focus", dass die Staatsanwaltschaft Leipzig gegen die beiden mutmaßlichen Täter Anklage wegen versuchten Mordes erhoben hat. Nach deren Angaben wurde bereits im Mai 2009 Anklage bei der Jugendkammer des Schwurgerichtes erhoben.

Opfer sollte zum Selbstmord gedrängt werden

Den zur Tatzeit 15 und 24 Jahre alten Häftlingen wird laut "Focus" vorgeworfen, ihren Mitgefangenen im Mai 2008 brutal misshandelt und zum Suizid gedrängt zu haben. Die beiden Männer sollen ihr Opfer im Duschraum mit kochendem Wasser übergossen und mit einem Besenstiel geschlagen haben. Zudem haben sie laut Bericht ihren Mithäftling an einen Stuhl gefesselt und ihm ein Handtuch über den Kopf geworfen. Anschließend sollen sie dem Opfer gemeinsam mit weiteren Häftlingen ein Hakenkreuz und SS-Runen auf den Oberkörper gemalt haben.

Die Beschuldigten sollen dem Mann zudem gedroht haben, dass russische Häftlinge ihn auf grausame Art töten wollten und bereits ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt sei. Aus Angst versuchte der 18-Jährige, sich in seiner Zelle zu strangulieren, überlebte jedoch. Daraufhin sollen die Angeklagten den Plan gefasst haben, den jungen Mann mit einem Gürtel zu erdrosseln. Trotz Atemnot gelang es dem Opfer, sich zu befreien und das Wachpersonal zu alarmieren.

Keine Anklagen gegen Beamte

Wie die Deutsche Presseagentur (dpa) aus Justizkreisen erfuhr, konnte Mitarbeitern des Justizvollzugsdienstes in Regis-Breitingen kein Fehlverhalten nachgewiesen werden. Deshalb sei es auch zu keinen Anklagen gekommen. Die Staatsanwaltschaft Leipzig will am Montag zu dem Fall Stellung nehmen. Auch das Justizministerium hat eine Erklärung angekündigt.

Die FDP im Landtag von Sachsen forderte umgehend Aufklärung. "Der Vorgang ist gleich aus zwei Gründen ein handfester Skandal. Zum einen belegen die Selbstmorde und die nun bekanntgewordene Tat, dass hinter den hochmodernen Mauern der JVA erschreckende Zustände herrschen müssen. Zum anderen ist es mehr als verwunderlich, dass die Öffentlichkeit erst über ein Jahr nach der Tat von ihr erfährt", sagte Fraktionschef Holger Zastrow.

Parallelen zum Fall Siegburg

Der Fall erinnert an den Foltermord in der Haftanstalt Siegburg (Nordrhein-Westfalen). Dort hatten im November 2006 drei Insassen einen 20 Jahre Mithäftling stundenlang gequält, vergewaltigt und ihn dann erhängt. Damit wollten sie einen Selbstmord des Opfers vortäuschen. Der Haupttäter wurde zu 15 Jahren Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Die beiden anderen Täter erhielten 14 Jahre Haft beziehungsweise zehn Jahre Jugendstrafe.

Die Jugendhaftanstalt Regis-Breitingen ist Sachsens neuestes Gefängnis. Das Gebäude mit 376 Haftplätzen wurde erst am 5. Oktober 2007 eröffnet. Einen knappen Monat später nahm sich dort ein 21 Jahre alter Häftling das Leben. Einen weiteren Suizid gab es im März dieses Jahres. Der 21-Jährige war wegen Mordes verurteilt worden.

Stand: 05.07.2009 17:02 Uhr
 

© tagesschau.de

tagesschau.de ist für den Inhalt externer Links nicht verantwortlich.

Die Landesrundfunkanstalten der ARD: BR, HR, MDR, NDR, Radio Bremen, RBB, SR, SWR, WDR,
Weitere Einrichtungen und Kooperationen: ARD Digital, ARTE, PHOENIX, 3sat, KI.KA, DLF/ DKultur, DW