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Die Führung in Moskau sieht sich mit der größten Protestbewegung konfrontiert, seit Putin im Jahr 2000 zum ersten Mal Staatschef wurde: Zehntausende Russen haben in der Hauptstadt Moskau an Demonstrationen für und gegen die Regierung von Ministerpräsident Wladimir Putin teilgenommen.
Von Christina Nagel, ARD-Hörfunkstudio Moskau
"Russland ohne Putin" skandierten Zehntausende während ihres Protestmarsches durch die Moskauer Innenstadt. Viele Teilnehmer hielten weiße Luftballons in den Händen oder trugen weiße Bändchen - das Symbol der Demonstrationsbewegung für freie und faire Wahlen.
"Putin - Sackgasse" stand auf Plakaten zu lesen. Aber auch: "Ehrlichkeit und Ehre können nicht erfrieren." Dass trotz der frostigen Temperaturen von minus 20 Grad fast 100.000 Menschen zu der dritten Massendemonstration seit der von Fälschungsvorwürfen überschatteten Parlamentswahl kamen, begeisterte Teilnehmer wie Organisatoren gleichermaßen.
Mit dabei unterschiedlichste gesellschaftliche Gruppen und politische Parteien von ganz links bis ganz rechts. Eine Allianz, die den Schriftsteller Boris Akunin, der sich seit Wochen öffentlich für freie Wahlen engagiert, nicht weiter verwundert: "Hier sind die Leute, die genau wie ich, für ehrliche Wahlen sind. Wenn wir es schaffen, dass unser Land eine echte Demokratie bekommt, mit demokratischen Mechanismen und freien Wahlen, dann können wir klären, welchen politischen Kräften die Gesellschaft vertraut - so wie überall anders auf der Welt."
Unter den jetzigen politischen Gegebenheiten habe das Volk keine andere Wahl, als auf die Straße zu gehen, um seinem Wunsch nach politischen Reformen, nach Demokratie Ausdruck zu verleihen - und Forderungen zu stellen. Dazu gehören eine Wiederholung der Parlamentswahl, die Freilassung politischer Gefangener, die Registrierung von Oppositionsparteien, aber auch die nachträgliche Zulassung des oppositionellen Präsidentschaftskandidaten Jawlinski.
"Wir müssen erreichen, dass die politische Führung ihren bisher leeren Worten echte politische Reformen folgen lässt, einen echten Dialog mit der Gesellschaft führt. Das größte Problem Russlands am heutigen Tag ist, dass die Machtstrukturen nicht kontrolliert werden und sie für nichts Verantwortung tragen. Wir werden methodisch immer in dieselbe Kerbe hauen. Solange bis wir etwas erreicht haben", erklärte Chef der Linken Front, Sergej Udaltzow.
Während die Redner auf dem Bolotnaja-Platz die Menschenmenge aufriefen, am 4. März nicht für Putin zu stimmen, warnten andere auf dem Siegesplatz lautstark vor revolutionären Tendenzen und einem Untergang Russlands. Nach offiziellen Behördenangaben versammelten sich bei der Aktion der Patriotischen Kräfte mehr als Hunderttausend Menschen. Viele trugen russische Flaggen bei sich. Auf Plakaten stand hier geschrieben: "Wir brauchen keine neue Revolutionen." "Für Putin." "Für Stabilität."
Er stehe hinter dem Motto der Veranstaltung, erklärte ein Teilnehmer: Man habe etwas zu verlieren: "Wir sind zufrieden mit dem, was wir haben. Ich erinnere mich gut an alles, was in den neunziger Jahren passierte, als Chaos herrschte und alles ins Wanken geriet. Jetzt haben wir einen Job, unsere Kinder gehen in die Schule und unsere Zukunft ist gesichert."
Auch in anderen Städten Russland gingen die Menschen heute für freie Wahlen, für oder gegen die Regierung auf die Straße. Sie läuteten damit auch den offiziellen Präsidentschaftswahlkampf ein. Die Wahl findet in genau vier Wochen, am 4. März statt.
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